Newsletter vom 9. August 2007 PDF Drucken E-Mail
Eve & Rave News
Geschrieben von: dea   
Donnerstag, den 09. August 2007 um 01:33 Uhr
Newsletter


www.eve-rave.ch

Hallo liebe Freunde von Eve&Rave

Die Streetparade steht vor der Tür, höchste Zeit also für die neusten Infos aus dem Hause Eve&Rave.
Rund ein Jahr ist seit dem letzten Newsletter verstrichen. Aber keine Angst, uns gibt es noch.

Hier ein Überblick über die Schwerpunkte unserer Arbeit:

Partypräsenzen
Drugchecking
Trends und Entwicklungen bezüglich des Drogenkonsums
Repression gegen die Partykultur
Vorträge und Weiterbildung
Website/Forum



Partypräsenzen:

In der Zwischenzeit waren wir auf einigen Partys mit unserem Infostand präsent.
Im September 2006 waren wir mit Rats @ Güterschuppen in Wollishofen an einer kleinen aber feinen Party.
Danach im Februar an der Liechtsinn.
Und schliesslich organisierten wir im Juni unsere eigene Benefizparty "Risikogruppe II“.
Sowohl finanziell, als auch menschlich wurde die Risikogruppe, die wieder in kürzester Zeit ausverkauft war, zum durchschlagenden
Erfolg. An dieser Stelle möchte ich noch ganz herzlich allen Besuchern für die grosszügigen Spenden und die anregenden
Gespräche und natürlich auch allen Helfern für ihren Einsatz danken.
Die nächste Benefiz für Eve&Rave wird voraussichtlich im Oktober stattfinden. Watch out for Flyers!
Am letzen Wochenende dann, waren wir am Sommer's End Festival in Rona mit Infos und Betreuung vor Ort und genossen das wunderbare
Bergpanorama bei unserer Arbeit.

Am nächsten Wochenende werden wir dann an der Streetparade anzutreffen sein. Genauer gesagt, werden wir am Freitag und am Samstag mit einem
Infostand an der Lethargy (Aktionshalle der Roten Fabrik) vor Ort sein.

In Rona wurden wir kurzfristig für eine Präsenz an der Forgotten Ritual (24.-26. August) angefragt.
Diese Präsenz kommt allerdings nur zu Stande, wenn sich genügend Helfer melden. Dies ist zurzeit noch etwas unsicher, da wir
ziemlich viel am Laufen haben, die Anfrage sehr kurzfristig kam und zusätzlich noch Ferienzeit ist.
Wer also Lust hat, uns kennen zu lernen, oder wieder einmal bei einer Partypräsenz zu helfen, kann sich bei uns melden. Wir wären
froh, wenn wir auch an dieser viel versprechenden Party anwesend sein könnten.

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Drugchecking:

Eve&Rave setzt sich seit über 11 Jahren für Drugchecking in der Schweiz ein.
Leider wurde uns vom BAG noch immer keine neue Bewilligung für die Weiterführung des Drugchecking erteilt.
Das BAG hat uns mal wieder an die Kantone verwiesen. Nun müssen wir bei allen in Frage kommenden Kantonen einzeln Gesuche
einreichen, die falls bewilligt dann noch vom BAG abgesegnet werden müssen.
Wenn man bedenkt, dass es gar keine gesetzlichen Grundlagen gibt, die das Drugchecking reglementieren oder beschränken, ist das
Verhalten des BAG eigentlich nur als Feigheit oder Schikane aufzufassen. Das BAG ist befugt, willkürlich Bewilligungen zu erteilen
oder verweigern.
So gibt es, obwohl es dringend nötig wäre, noch immer kein schweizweites Drugchecking. Eine einheitliche gesetzliche Regelung wäre
da dringend nötig.
Wir geben aber nicht auf und sind zurzeit auf der Suche nach einer geeigneten Medizinalpersonen, die für uns Gesuche bei den Kantonen einreichen können.
Doch auch beim Thema Drugchecking gibt es einen Lichtblick. Streetwork Zürich ist noch immer am Pillen und Pulver testen und haben
ihr Angebot um ein stationäres Drugckecking in den Räumlichkeiten des Gain erweitert. Auf ihrer Website sind zwar nicht alle
Resultate, aber immerhin die wichtigsten Warnungen veröffentlicht. Dort sind auch die Standpunkte von Streetwork an der
Streetparade ersichtlich.

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Trends und Entwicklungen bezüglich des Drogenkonsums:

Grundlegend Neues gibt es relativ wenig was neue Drogen oder Konsummuster betrifft, allerdings haben sich einige Trends verstärkt
und andere sind wieder verschwunden.
Kontinuierlich hat der Konsum von Alkohol auch in der Partyszene zugenommen. Alkohol und Mischkonsum mit Alkohol sind im Moment
unsere Hauptsorgen, was risikoreichen Drogenkonsum angeht. Doch auch der Missbrauch von Medikamenten hat zugenommen.

Das Verbot von GHB zeigt inzwischen Wirkung. Und zwar insofern, dass viele GHB Konsumenten auf GBL ausweichen. Dies ist insofern
problematisch, da GBL schwieriger zu dosieren und zudem leicht ätzend ist. Zahlreiche Konsumenten beklagen sich über die starken
Nebenwirkungen oder Verätzungen. GBL wird im Körper zu GHB umgewandelt. Andere Konsumenten weichen auf 1,4-Butandiol aus, das
ebenfalls zu GHB umgewandelt wird aus. Die Ausweichmöglichkeiten sind vielfältig, es gibt rund ein Dutzend mögliche
Vorläufersubstanzen, die im Körper zu GHB umgewandelt werden. Das Verbot greift nicht und viele User setzen sich erhöhten Risiken
aus.
GHB selbst hat sich als stark suchtbildend herausgestellt und wird in inzwischen beängstigendem Masse als "KO-Tropfen" missbraucht
doch das scheinheilige Verbot verschärft die Problematik lediglich.

In Italien ist wieder mit Atropin versetztes Kokain aufgetaucht. Dies gab es bei uns auch schon, es ist also zu erwarten, dass
solche Fälle auch hier wieder vorkommen können. Atropin wirkt halluzinogen und kann bei Überdosierungen zum Tod führen.

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Repression gegen die Partykultur:

Ein Thema das uns zurzeit Kummer macht, ist die Repression, die der Partykultur entgegen schlägt. Wir haben uns neben der
Drogenprävention auch Kulturförderung auf unsere Fahne geschrieben. Doch es wird immer schwieriger, Bewilligungen für Partys zu
bekommen und in den Städten sind Razzien in den Clubs und Personenkontrollen an der Tagesordnung. Dies erschwert unsere Arbeit, da
dadurch sie Szene hektischer wird. Unserer Meinung nach steht der Aufwand mit dem die Repression betrieben wird in keinem
Verhältnis zum Ertrag. Die Partyszene weicht einfach auf schwerer zugängliche, weil verstecktere Orte aus, während die Stadt
renommierten Lokalen wie etwa der Roten Fabrik oder dem Hive mit schikanösen Praktiken das leben schwer macht. Eve&Rave setzt sich
für eine tolerantere und dadurch auch transparentere Kulturpolitik ein. Im Bezug auf Drogen zeigt sich immer wieder, dass
mehr Repression zu gesteigerter Risikobereitschaft der Konsumenten führt. So nehmen beispielsweise viele Clubbesucher aus Angst
vor Kontrollen ihre Drogen schon, bevor sie den Club betreten. Dies ohne zu wissen, ob die Party, die sie besuchen auch
geeignet für risikoarmen Drogenkonsum ist. Sie wissen nicht, wie viele Leute in dem Raum sein werden, ob gratis Wasser verfügbar ist etc.
Auch hat sich gezeigt, dass an Partys, an denen die Polizei immer mal wieder vorbeischaut, eher mehr Drogen konsumiert werden, als
an anderen Orten.
Ob dies auf die "Werbung"für Drogenkonsumenten und Abschreckung von Nichtkonsumenten zurück zu führen ist, also die Annahme, dass
dort wo die Polizei immer ist, auch Drogen konsumiert würden oder auf anderen Effekten beruht ist schwierig zu sagen.
Tatsache ist, dass sich die meisten Drogenkonsumenten, auch Gelegenheitskonsumenten längst mit der Illegalität abgefunden haben.
Die Repression führt nicht zu weniger Konsum, sondern lediglich zu veränderten Verhaltensmuster der Konsumenten. Die Leute sind
vorsichtiger und der Konsum findet heimlich statt.
Und wenn dann Esther Maurer noch offen Scheinheiligkeit propagiert und davon spricht, dass man lediglich den öffentlichen Konsum
unterbinden wolle, ist das ein Schlag ins Gesicht aller, die akzeptierende Drogenprävention betreiben. Einerseits gibt sie damit
zu, dass Drogenkonsum durch diese Politik nicht unterbinden werden kann, sondern nur Kosmetik betrieben wird. Der Konsum in
einem Club ist auch nur begrenzt "öffentlich". Dadurch werden keine kleinen Kinder gefährdet, sondern höchstens Erwachse, also
mündige Bürger. Und andererseits ist diese "Öffentlichkeit" des Konsums für uns die Arbeitsgrundlage. Nur wenn Drogen kein
Tabu darstellen kommen wir überhaupt in Kontakt mit den Leuten. Nur wenn wir über die Konsummuster bescheid wissen, können wir falls nötig helfen.
Wenn ein Konsument eine Überdosis zu sich genommen hat und keiner weiss, was der Betroffene intus hat, ist
effiziente Hilfe unmöglich. Und nur wenn zumindest halböffentlich konsumiert wird, kann gründliche und ehrliche Drogenaufklärung
bei Nichtkonsumenten betrieben werden. Das mag paradox erscheinen, aber zumindest bei Partydrogen ist ein wenig
Öffentlichkeit der Konsums notwendig um effizient Prävention zu betreiben.

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Vorträge/Weiterbildungen:

Da sich viele Institutionen, die sich ebenfalls professionell direkt oder indirekt mit Drogen konfrontiert sehen, für diesen
Newsletter eingetragen haben möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass Eve&Rave auch Vorträge und Weiterbildungen für Fachpersonal
anbietet.
Wir informieren über den Umgang mit berauschten Personen, erste Hilfe bei Drogenmissbrauch, diverse Substanzen oder andere Aspekte
unserer Arbeit. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass viele Sanitätsdienste im Umgang mit berauschten Personen wenig Erfahrung haben
und überfordert oder falsch reagieren.
Dabei ist beispielsweise bei Überdosierungen von Halluzinogenen wie LSD der menschliche Kontakt zur betroffenen Person von
äusserster Wichtigkeit.

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Website/Forum:

Die Benutzerzahlen der Website haben sich seit Anfang dieses Jahres mehr als verdoppelt. Wir sind nun bei über 4 Millionen Hits pro Monat.
Zu einem wichtigen Standbein unserer Arbeit wurde längst auch unser Forum. Dort wird über Drogen, Partys, Gott und die Welt diskutiert.
Wir haben rund 4000 registrierte Benützer, sind bei Google onmipräsent und auch hinter den Kulissen wird fleissig gearbeitet.
Ein Team aus neun kompetenten Moderatoren sorgt für Ordnung und beantwortet fast rund um die Uhr Fragen.
Auch aus Österreich und Deutschland werden unsere Onlineangebote rege benützt, das zeigt uns, dass es im gesamten
deutschsprachigen Raum ein Mangel an ehrlicher Information über Drogen herrscht.


Zum Schluss möchte ich nochmals allen Helfern und Freiwilligen danken, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre. Alle Arbeit wird
unentgeltlich geleistet und wir sind von dieser Unterstützung und von Spenden abhängig. Es hat grossen Spass gemacht, diesen
Sommer mit Eve&Rave und allen Helfern zu arbeiten.
An dieser Stelle sei noch mal darauf hingewiesen, dass wir immer auf der Suche nach neuen Aktivmitgliedern, Gönnern und Helfern
sind. Interessierte Zeitgenossen können über unsere Website Kontakt mit uns aufnehmen.
Einerseits durch den Dank der Partybesucher und die Bestätigung, dass unsere Arbeit wichtig ist und geschätzt wird, andererseits
auch dank interessanten und vielseitigen Arbeit bleiben wir motiviert und werden auch in Zukunft für akzeptierende Prävention und
Förderung der Partykultur einstehen.

Liebe Grüsse und bis bald

Oliver
Eve&Rave (Schweiz)



Bei Fragen und Bemerkungen:
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