Frühling 2005. bin gerade mit einer guten freundin an einer kleinen geburiparty. entschliesse mich in der nacht mit ihr einen LSD-trip zu teilen.
wir unterhalten uns haben freude an der musik und tanz. doch müdihkeit überkommt mich schon bald, ehe der trip schon den höhepunkt ereicht hat.
ich schlafe für 4, 5 stunde und wache nüchtern und etwas fröstelnd auf. die wirkung vom d-lysid ist bereits verflogen und ich ärgere mich ein wenig das ich den trip verschlafen habe.
ich entschliesse mich doch noch etwas d-lysid nachzulegen. ich gehe zu einem typen der mit ner buddel kräuterschnaps auf dem floor rumschwankt und frag ihn um LSD. prompt kramt er in seinem dilliranten zustand nach seinem trippebäggy und drückt mir eine pyramide in die hand. zu dem zeitpunkt wusste ich nicht das es sich bei pyramiden-trips um diverse dimethoxy-amphetamine handelt. bis dahin hatte ich von letzteren auch noch nie gehört.
er schenkt mir das ding. ich sage meinen dank und teile das ding zur hälfte. futtere sie und leg die andere hälfte weg. nach 10 minuten treffe ich den kräutermann und er sagt mir völlig entsetzt er habe mir von den falschen trips gereicht. er hätte an stelle von LSD, DOI herausgegeben. ich steh da und sag ihm meinen ironischen dank. etwas mulmig wurde mir schon, da ich diese substanz nicht kannte. nunja ich fragte und bekam eine ziemlich bescheuerte antwort- aber damals wusste ich ja auch noch nicht das meskalin nicht synthetisierbar ist.
jedenfalls nach ca. 1 stunde fing ein leichtes magengefühl an. dieses gefühl erinnerte mich dann doch etwas an acid, aber schon eine 1/4 stunde später konnte ich spüren das es etwas anderes war. mir wurde ein bisschen schwindlig im kopf und ich bekam das gefühl als schwankte die welt um mich herum.
- ich gehe umher und versuche ein bisschen das magenrumoren zu zerstreuen. dies gelingt mir mit mässigen erfolg. ich frage meine kollegin, ob sie mit mir ein bisschen laufen ginge. sie sagt ja und zusammen laufen wir ein bisschen. weg von den leuten, weg von der musik.
-wir gelangen zu einer grünen wiese. dieses grün wird smarakt und ist in seinen erscheinugsfarben extrem intensiviert und vielseitig. der tau darauf versetzt die ganze wiese in ein filligranes kunstwerk von farbigen reflexen und partickel. ich realisiere das gesehene in einer klarheit die doch sehr an hyperrealistische computerfotografie erinnert.
- C. (meine begleiterin) sagt mir plötzlich etwas von einem pfadilager und zeigt durch die sträucher am rande der wiese und ich sehe das sich dort ein bach durchschlängelt und auf der anderen seite braune pfadizelte aufgestellt sind. plötzlich lasse ich dieses wort immer und immer wieder in meinem geiste kreisen. PFADILAGER. ich beginne zu lachen. anfangs ein kichern, dann schwillt es an zu einem reissenden strom. desto mehr ich lache desto ausgeprägter verändert sich die umgebung. schliesslich bin ich mitten in einem hysterischen lachkrampf und meine kollegin stimmt mit ein. belustigt von meinem ausbruch. die lache beginnt hohl und metallisch in meinen ohren nachzuklingen und langsam tut mir bauch und brust weh vor lauter lachen.
- wir laufen wieder ein bisschen und ich lache vor mich hin. schliesslich gelangen wir zur party zurück.
- eine weitere stunde ist um und ich habe mich ein wenig beruhigt. ich verbringe die zeit mit interessanten, intellektuelen und witzigen gesprächen. baue an und ab einen joint und teile meine spontanen eingebungen mit.
sehr empathogene momente werden erlebt und optische aktivitäten sind kaum noch vorhanden. ich treffe wieder auf herrn appenzellerkräuter und danke ihm für dieses irrtümlich für LSD-gehaltene geschenk. ich sag ihm wie passend und korekt es ist, dass ich ausgerechnet hier und jetzt diese bekanntschaft damit machen darf.
- ich gehe etwas tanzen und als ich so tanze sehe ich eine frau die ein rotes tuch um die schultern und goldene,grosse orreifen trägt, schwarze haare, feines besticktes kopftuch. mir gehen bilder und erinnerungen von zigeunerwahrsagerinnen, hexen, spanischen esmeraldas durch den kopf und ich bin gerührt von ihren geschmeidigen, fliessenden tanzbewegungen. feuergleich fegt sie über die tanzfläche. vom einen ende zum anderen und ihr tuch scheint sie dabei regelrecht in brand zu stecken. ich stehe da und komme aus dem staunen nicht mehr heraus. ich werde überwältigt von schönheit und grazie. dann, als ich fast glaubte die gesamte schönheit des seins des kosmos, vereint in dieser frau zu sehen und zu staunen, zieht sie ein neongrünes petbong hervor und beginnt sich eine mischung zu machen.
ich denke: BöNGLI. und dieses wort lässt mich auf den rücken kullern vor lachen. ich liege im laub und spüre die orgasmischen lachwellen in meiner brust tanzen und wüten, einem taifun gleich der mich an den rand des menschlichen wahnsinns reisst und von da wieder zu geerdeter besinnung. beides scheinbar gleichzeitig, eingsponnen im schizophrenen kontext des sich selbst bewusstseins. 4 ,5 leute stehen plötzlich um mich herum und blicken auf mich hinab. wie neugierige zoobesucher, oder verwunderte psychiater. der ausdruck ihrer gespenstisch-verwirrten gesichter entlockt mir weitere lachsalven und ich würde ihnen gerne sagen was abgeht, aber das einzige wort das ich über meine lippen bekomme ist: BöNGLI!!!
- c. steht jetzt auch da und lacht und erklärt sich für mich. vielleicht ist es ihr ein wenig peinlich. obwohl es das ja nicht muss.
15 minuten vergehen. ich beruhige mich wieder und verspüre hunger und durst. ich sättige mich an dem liebevollgestalteten gratisfrühstück und jeder bissen verströmt wieder diese empathische zufriedenheit mit sich und der welt in meinem körper. ich setze mich hin zu einer frau und sie fragt mich nach meinem befinden. sie lächelt und streichelt mir den kopf. sie mache sich ein bisschen sorgen um mich. ich sage ihr das ich mich gut fühle und das ich unter einer sehr verrückten substanz stehe. sie nickt und sagt ich solle auf mich aufpassen. ich danke ihr für ihre anteilnahme und wir beide diskutieren noch eine weile über gott un die welt.
- jetzt rast die zeit dahin. zeitliche blackouts lassen die einflüsse und interpretationen zu einer öligen,verfliessenden masse zerinnen. ich sitze mit c. am bach und bastle kleine holzpilzchen die ich dort in den sand stecke.
dann stehe ich wieder auf dem floor und höre verzerrte psychedelische klänge. eine mischung aus sound, palaver und waldgeräuschen, so psychedelisch wie es wohl kein mischpult und soundprogramm je berechnen könnte.
ich trinke schokolade vom übriggebliebenen zmorgen. eine achterbahnfahrt für meine geschmacksknospen. bezaubernd wandert die sonne gemächlich über die glitzernden und zitternden baumwipfel und bei diesem anblick wird mir bewusst das es ja noch soetwas wie zeit gibt. ich suche c. und auch sie hat an das gedacht das ich gerade fragen wollte. wann wollen wir heimwärts?
sagen wir noch ein stündchen. verabschieden und so, dann mal los. ich frage wie es ihr den gehe. sie nickt und findet gut. sie fragt mich ob sie nicht vielleicht einen viertel von meiner zweiten DOI-hälfte haben dürfe. ich frage sie ob sie das wirklich möchte. sie möchte und ich überlasse ihr dieses mikroskopische instrument der bewusstseinserweiterung. respekt erfüllt mich beim anblick dieser zerteilten pyramide.
- die stunde schmilzt dahin wie märzeis in der sonne. wir packen unser weniges hab und gut und verabschieden uns. es folgt uns noch ein gemütlicher bärtiger mann der in unserer diskusionsrunde dabei war. er begleitet uns und zu dritt laufen wir über die wiese, auf der ich ein paar stunden zuvor heftige lacher ausgestossen habe. ich versuche mit dem pfadilagerwort erneut ein lachen herauf zu beschwören aber eine bewusst-absichtliche reaktivierung gelingt mir nicht. wir erreichen den shuttlebus und können bis zum bahnhof mitfahren. ich drücke dem fahrer einen zwanziger haschbrösel in die hand un bedanke mich. er dankt seiner seits und spekulierte wohl, ob ich das wohl auch getan hätte, wenn ich nicht so "verschliffen" wäre.
- c. und der bärtige sitzen im zug und wir fahren richtung zürich. eine lustige zugfahrt. es beginnt mir wieder zu "schuben". bewegungsdrang und redefluss ergreifen von mir besitz und kleine lachzwischenfälle scheinen die paradoxie meines daseins im zug gegenüber den reisenden zu verstärken. mich kümmerts wenig ich geniesse die fahrt.
- in zürich angekommen trennen sich unsere wege. der bärtige verlässt uns und wünscht uns alles gute. wir ihm natürlich auch und ziehen von dannen.
wir müssen warten. unser anschlusszug kommt gegenwärtig in einer knappen stunde. warten. in diesem gigantischen bahnhof der mehr ein ameisen haufen als ein bahnhof zu sein schien. wow. all diese verschiedenen ströme menschlicher energiebündel. all dieses gedachte das sich glasklar vor mir abzeichnet aber so zusammenhangslos scheint wie all die tausend wortfetzen.
zvilisation. tumult. ein bollwerk menschlicher unvernunft. die absolute reizüberflutung. ich staune und wundere mich sogleich das ich bei all dem erblickten nicht einfach den verstand verliere. ca. 9 stunden bin ich jetzt schon auf dieser droge und ihre kraft scheint eine konstante zu sein, die präsenter an mir haftet als so mancher anderer stoff.
- c. und ich laufen umher und wollen gerade in den untergrund stechen, da fällt mir eine polizeipatroulie auf. ich beginne zu schmunzeln und denke mir das, das sich wohl jeder illegal,legal,scheissegal berauschte wohl bei dieser begegnung denkt: ach wenn die nur wüssten. haha!
ich fange sogar den blick des einen ein und erwiedere ihn mit einem breiten grinsen das eine mischung aus sympathie und veräppelung darstellen mochte.
dann verschwinden wir und die rolltreppe befördert uns in den untergrund.
wieder eine art kulturschock überkommt meine sensiblen sinne, beim anblick
dieses kalten, schmerzenden neonröhrenlichts. das kreischen ankommender, bremsender züge, das gplapper all der eiligen menschen. wumms. irgendwo in all dem chaos setzen wir uns zu einem türkischen imbiss und bestellen etwas zu essen. der improvisierte kebappbausatz regt dann schliesslich meine gelüste doch nicht mehr so an, jetzt da er so da liegt auf einem weissen keramikteller, wie ein erlegtes tier, cocktayl und jogurthsosse blutend. es wird mir, als hörte ich dieses saucetriefende etwas gurgelnd aufstöhnen. das fötzelig, fransige zottelfleisch das aus dieser brottasche klafft erinnert mich zusehends an autobahnopfer.
c. beisst hinein und scheint keine probleme damit zu haben. ob es daran liegt das sie sich einen falavel bestellt hat?
schliesslich beiss ich auch hinein und der hunger und der süsslich würzige geschmack besiegen meinen ekel und schlagen ihn vollends in die flucht.
wir essen und dann läutet mein handy. dieses gerät das ich seit stunden vergessen habe. ich überlege mir nicht ran zugehen aber etwas sagt mir das es schon ok ist wenn ich rangehe. ich nehme ab und am anderen ende ertönt die lieblich-provokante stimme meiner wg-mitbewohnerin. wo ich den stecke und wann ich gedenke wieder mal heimzukommen. einen moment lang bin ich versucht zu fragen ob sie ihre mütterlichen komplexe gegenüber mir immer noch nicht überwunden hätte, aber ich verkneife mir das und begrüsse sie. sag ihr das ich bereits auf dem heimweg sei und das ich unter heftig psychedelischen drogen stünde. sie lacht. ihr lachen klingt rostig und etwas verstaubt, so als käme es von weither. vielleicht eine millionlichtjahre oder so. längst vorbei und im strudel der zeit untergegangen, aber erst jetzt von meinem funk aufgefangen.
sie teilt mir mit das noch ein kollege bei uns wäre und das sie einfach mal fragen wollte wo ich den so stecke. bis gleich du flashkopf und gib acht auf dich. dann hör ich sie noch im hintergrund zu ihrem freund sagen: der ist ja "hunesch" drauf. sie sagt es sichtlich belustigt und ich bin versucht mit einer erneuten lachsalve zuantworten. aber irgendwie will mir das nicht gelingen. scheint so als wären meine seretoninreserven für den moment aufgebraucht.
sie hängt ab ich auch und c. und ich machen uns auf den weg richtung gleis.
- im zug gen bern erleben wir noch ein paar witzige begenungen und ich merk c. den viertel schon ein bisschen an, zumal sie auch die ganze nacht auf d-lysid unterwegs war.
ein paar mädchen sitzen vis à vis von uns lachen und schnattern wie es junge mädchen tun. wir erwidern das lachen und das positive grundgefühl.
dann kommt langenthal. zeit das sich unsere wege für heute trennen. c. bleibt sitzen, umarmt mich wünscht mir alles gute und lässt danken. ich tu es ihr gleich und steige aus.
der zug fährt hinter mir ab und ich bleibe eine weile auf dem bahnsteig stehen. ich geniesse das sein und bin dankbar das ich und die welt sind. die warme frühlingsabendsonne fühlt sich einfach fantastisch auf meinem gesicht an. ich schliesse die augen und auf dem rot-orange pullsierenden hintergrund meiner lider beginnen harmonische kalaidoskopieen zu tanzen. bilden abstruse formen und muster und verstärchen mein wohliges gefühl des geborgenseins. mutterschossgleich und mich stark an LSD erinnernd.
- ich schreite heimwärts einen flaumigen wind im rücken und intensive frühlingsfarben um mich herum.
als ich dann in unsere wohnung schreite begrüssen mich meine beiden mitbewohner und ihr kollege. auch sie scheinen einen schönen tag verbracht zu haben. wir reden noch eine weile und sitzen auf dem balkon und dann lege ich mich bald enmal schlafen ich bin müde und lege mich ins bett. schlafe ein und rutsche in einen von endooptischen effekten geprägten traum.
- am tag darauf- sprich nach gutdurchgeschlafenen 13 stunden fühlte ich mich topfit und wohl, immer noch die frischen erinnerungen an meine reise in mir tragend freute ich mich auf alles weiter.
Dieses sehr schöne erlebnis mit Dimethoxy-Iod-amphetamin blieb mir bis heute in guter erinnerung. vielleicht romantisiere ich die ereignisse zu sehr und bausche sie interpretatorisch auf, aber auf jedenfall kann ich mit gewissheit sagen, das es manchmal für das erleben einer substanz ganz von vorteil sein kann, wenn man nichts über sie weiss. dies sollte jedoch trotzdem mit dem nötigen respekt geschehen.
3 weitere erfahrungen in jeweils um die hälfte reduzierten dosisbereich erwiesen sich auch als ausgezeichnete bewusstseinszustände jedoch in wesentlich geerdeter und bodenständigerer form.
meinen erachtens stellt DOI eine der wertvollsten synthetischen psychedelika dar die von menschenhand geschaffen wurde. Eine spätere erfahrung mit DOB erwies sich als zu metallisch und kalt. zu fest war es mit der herkömmlichen amphetaminwirkung verknüpft. DOM, DOE, DOC habe ich noch nicht ausprobiert. sofern sich mir die gelegenheit dazu bieten sollte, wäre ich nicht abgeneigt. aber vielleicht wird und soll das nicht der fall sein.
ich beende hiermit meine ewig lange litanei über diese substanz und wünsche allen, die ihr irgendwann in ihrem leben begegnen mögen einen schönen und bewusstmachenden umgang damit.
