Hallo liebe eve-rave-Gemeinde!
Heute möchte ich gerne (zugegebenerweise ein wenig angetrunken) eine Reise Revue passieren lassen, die mich die letzten Tage ereilt hat.
Es geht hier vor allem um die Gedanken und Gefühle, die ich während des Trips hatte, nicht um bunte Optiks und schillernde Halluzinationen (schade eigentlich).
Angefangen hat alles damit, dass ich nach längerer Zeit einen guten Freunde besucht habe. Mitgebracht hatte ich ca. 50 g frische Mexikaner aus eigenem Anbau. Das Mycel der feinen Früchte kam aus einem völlig unbekannten Onlineshop (natürlich). Wir einigten uns darauf, die Pilze zu einem späteren Augenblick zu nehmen. Wenn es "passt".
Allerdings kam es schnell dazu, dass wir uns bald wiedersahen. Die Pilze waren gerade etwa zur Hälfte eingetrocknet. Es waren sehr viele äußert kleine Pilze, die eine optisch angenehme ultramarinblaue Färbung aufwiesen.
Mein Kumpel K. und ich entschieden uns deshalb, an einen altbekannten Ort nicht weit von K.'s Wohnung zu gehen und die Pilze zu essen. Es war schön dort, eine halboffene Hütte stand da, darunter eine Bahnstrecke und die gesamte Kleinstadt vor uns.
Wir aßen die Pilze mit einiger Gleichgültigkeit (der Geschmack ist, für jeden, der die Auswirkungen von Psilocybin kennt, annehmbar) und freuten uns einigermaßen auf einen baldigen Wirkungseintritt.
Schon als ich die Pilze kaute, bildete ich mir eine Wirkung ein. Der komische Geschmack sagte mir: Das wird was.
Ich muss sagen, bereits jetzt verschwimmen meine Erinnerungen ein wenig.
Wir gingen einige hundert Meter in die Walachei hinein... ein mir vollkommen unbekannter Ort. Wir liefen durch die Gegend. Was jetzt?
Ein Feldweg vor mir. Links eine große Lichtung, rechts ein kleines Tal. Es war mitten in der Nacht, ca. 23 Uhr.
Langsam machte sich ein "pushendes" Glücksgefühl in der Brust breit. Nach ca. 15 min. nach der Einnahme bestätigten sich meine anfänglichen Erwartungen: Das wir was.
Ab jetzt wurde die ganze Sache etwas verwirrend.
Wir begaben uns auf die Lichtung, der Untergrund sah für mich aus, als bestünde er aus vielen gleichen Pflanzen. Sie sahen in etwa aus wie Disteln, nur dass sie in perfekten "Quadraten" angeordnet waren und allesamt fast gleich aussahen.
Überhaupt wunderte ich mich darüber, dass die Wiese mitten in der unbeleuchteten Nacht grünlich aussah, schwach atmete und eine solch überwältigende Struktur aufwies
Wir standen wohl einige Minuten einfach in der Gegend rum und sagten Sachen wie "Boaah", "Ich weiß nicht, was ich denken soll", "Ich weiß nicht, was ich fühlen soll" und "HuHuhuhuhuuuu." Zu deutlich mehr Kommunikation sollte es an diesem Abend auch nicht mehr reichen. Jedenfalls was die Worte anging
Wir einigten uns nach reiflicher Überlegung darauf, dass die Wirkung wohl langsam einsetzte und wollten zurück zur anfänglichen Location.
Nun setzte die Wirkung erst richtig ein.
Ich hatte das Gefühl, ein bestimmte Erlebnis hätte mich besonders dazu (befähigt/überredet/ausgewählt).
Auf einer Bank gegenüber der Lichtung, neben einem Nadelwald, hing etwas weißes.
Ich entschied mich hinzugehen, ich sah mittlerweile alles sehr hell (

) und es strahlte mich regelrecht an.
Erst dachte ich, es handelte sich um eine weiße Plastiktüte. Es fühlte sich jedoch nach Stoff an.
Ich bin mir nicht mehr sicher - ich vermutete ein großes Loch an dessen Unterseite. War es das Oberteil eines kleinen Mädchens?
Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Mein Freund kam dazu, sagte "Das ist eine Plastiktüte", fühlte daran und sagte "Lass uns gehen.".
Wir entschieden uns, dass wir wohl weder weitere Anstalten machen sollten, die Gegend zu untersuchen, noch uns unseren Trip vollkommen zu verderben. (Natürlich ohne Worte.)
Ich kam mir ein wenig vor wie in Matrix, nur dass ich die andere Pille genommen habe. Die, die mich in der Matrix lässt.
Nur wenige Meter weiter, links war der Nadelwald, rechts ein paar Bäume, fing der Pilz an stark seine Wirkung zu entfalten.
Die Bäume (es war dunkel, alles war schwarzweiß), begannen ihre volle Pracht zu zeigen: Die Äste, natürlich im Winter ohne Laub, standen in Perfektion im Raum - Die Organisation ihrer Äste, die perfekte Anpassung an die Natur... aber auch ihre schiere Anwesenheit, "Weisheit" wurde mir mehr oder weniger bewusst. Eine Erfahrung, die sich bei mir niemals nüchtern einstellen könnte.
Auch wenn ich generell alles faszinierend finde

Der Boden hatte unglaubliche Formen angenommen, ich traute meinen Augen nicht mehr.
Jeder Kieselstein hatte seinen Platz im Universum eingenommen und mir seine Struktur und Verbundenheit mit Allem (kommt das komisch, wenn man das großschreibt?) gezeigt.
Ich sah die Muster im Untergrund, fasste danach, sie wurden kleiner, feiner, doch gingen nicht hinfort. Was ich jedoch fühllte, mit meinen Fingern, war nur Dreck, etwas Gestein.
"Verarsche." Im Pilzrausch hatte ich kein Problem damit das zu sagen... wusste ich doch, dass diese Verarsche das ist, was mein menschliches Dasein ausmacht. Und nicht mehr oder weniger wert als jeder Versuch, mich noch mehr in diese Matrix der Verarsche zu begeben oder zu versuchen mich daraus herauszuwinden.
Mir fiel ein Spruch von einem deutschen Rapper ein. "Alle Phänomene sind ihrer Essenz nach leer - nur das beheften mit unseren Ideen und Konzepten machen sie letztendlich für uns zu etwas festem".
Langsam begann ich mir Gedanken über Ordnung und Unordnung zu machen - versuchte die gemeinsame Essenz aus Sinn und Unsinn zu entlocken. Als ich so einen simplen Feldweg mit wahllos angeordneten Steinen sah, die mir jedoch in vollendeter Form geordnet vorkamen, wurde mir einiges klar. Mir fällt es schwer, diese Erkenntnis hier so hinzuschreiben, viel zu einfach könnte man sie missverstehen. Um es abzuwandeln: Mir war klar, dass die Illusion von allem - Freiheit, Willen, Ordnung, Leben - in Wahrheit existiert, jedoch nur und vor allem in meiner Wahrheit.
Mittlerweile waren wir zurück am anfänglichen Ort, alles altbekannt, doch vollkommen anders. Jederzeit wusste ich wo ich bin und dass ich Pilze gegessen hatte. Aber was sollte mir das schon sagen? Züge, vollbeladen mit Menschen, fuhren knapp an mir vorbei. Sie lasen und saßen. LOL.
Die Realität hatte längst an Bedeutung verloren, die Umgebung wandelte sich in ein vertrautes Märchen.
Alles war bekannt, doch sah völlig anders aus. Nicht einfach nur schöner, anders.
Längst wussten wir nicht mehr, was denn jetzt los ist. Was geht. Was läuft. Was ist. Wasssssss.
Eine leergetrunkene Plastikflasche wurde in die Gegend geworfen, 5 min. später aufgehoben, eingesteckt, 10 min. später rausgeholt, in den Mülleimer geworfen, nur im 3 Minuten später wieder mitgenommen zu werden. Alle Angaben ohne Gewähr, wo die Flasche ist, weiß bis heute keiner.
Wir begaben uns nun wieder langsam ins Zentrum der Kleinstadt. Es war kaum was los, vorbeifahrende Autos ließen sich Zeit. Oder sie fuhren in Zeitlupe. Wie gesagt - Mein mickriges Gehirn hatte sich damit abgefunden, niemals Realität von Sinneswahrnehmung zu unterscheiden. Und ganz ehrlich: Gut, dass das so ist.
Die Optiks waren übrigens sehr stark, vor allem beleuchtete Dinge verzogen sich, atmeten, flackerten, zuckten wild umher.
Das allerdings waren nur interessante Nebenwirkungen, nichts was von Bedeutung wäre. Ich lag noch stundenlang wach und betrachtete Wirbel, Helices, Rauten, Quadrate und alle möglichen anderen Formen in allen Regenbogenfarben.
Ich hoffe der Bericht hat euch gefallen. Insgesamt war die Reise sehr anstrengend und jenseits der Bedeutung von "schön" oder "blöd".
Am liebsten hätte ich den Bericht auch noch viel ausführlicher und bunter beschrieben, aber ich bin müde und es war Nacht.
Eine gute davon.
