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Charakteristiken der Transpersonalen Psychologie
1. Spirituelles Zentrum
Die transpersonale Psychologie geht davon aus, das in jedem Menschen ein spirituelles Zentrum existiert. Diese spirituelle Zentrum wird in der Psychosynthese „Transpersonales Selbst“ genannt. Sehr häufig spricht man auch vom „Höheren Selbst“.
2. Transpersonaler Bewusstseinsraum
Sie integriert neben einem personalen auch einen transpersonalen (spirituellen) Bewusstseinraums (Überbewusstes) in das menschliche Bewusstsein. Im Gegensatz zum personalen Bewusstseinsraum, in dem der Verstand und das Denken angesiedelt sind, wird hier Verstand und Denken überschritten, transzendiert, wie man es auch nennen kann.
Man gelangt vom Denken in den Bereich des Nicht-Denkens, vom Wissen in den Bereich des Nichtwissens, von der Identifikation mit etwas zum reinen Sein des „Ich bin“. Wer mit diesem Bewusstsein in Kontakt ist, überschreitet jedes Bild, das man von sich selbst hat sowie den Bewusstseinszustand von Getrenntheit, der das Ego möglich macht.
3. Einbeziehung des gesamten menschlichen Potentials
Indem die transpersonale Psychologie auch den Bereich des Überbewussten anspricht, erforscht sie systematisch den Bereich des gesamten menschlichen Potentials. Angesiedelt im Überbewussten sind: Kreativität, intuitive Einsichten, überbewusste Erscheinungen, transpersonale (mystische) Erfahrungen.
3. Spirituelle Antriebe
Die transpersonale Psychologie geht davon aus, dass spirituelle Antriebe genau so real sind und zum Menschen gehören wie die anderen auf der persönlichen Ebene angesiedelten Antriebe (Selbsterhaltungstrieb, Fortpflanzungstrieb etc.) Diese Antrieb geht über den eher auf der personalen Ebene angesiedelten Trieb der Selbstverwirklichung (das persönliche Potential zu entwickeln) hinaus. Es ist der Antrieb, der nach Selbstrealisierung strebt, der eine Antwort sucht auf die Frage „Wer bin Ich?“
4. Sinn im Leben
Neben der zuvor genannten Frage „Wer bin ich?“ geht es auch um die Frage, „Wozu bin ich hier?" Welchen Sinn hat mein Leben? Das führt dazu, dass man seine Einstellung zu seinem Umfeld ändert. Man hinterfragt alles, was einem begegnet und im Leben widerfährt. Man fragt, ob nicht ein tieferer Sinn hinter allen Geschehnissen in seinem Leben liegt. Das macht es einfacher, diese Geschehnisse so anzunehmen wie sie sind, und dadurch sein Vertrauen in das Leben stärkt. In der von Viktor Frankl entwickelten Logotherapie steht diese Frage nach dem Sinn im Mittelpunkt des menschlichen Lebens.
5. Krisen als Herausforderung
Krisen, Schmerz und Leiden werden als Gelegenheiten und Herausforderungen betrachtet, die dazu führen, sich als Mensch weiter zu entwickeln. In der spirituellen Psychotherapie versucht man nicht, „Probleme“ auf der Oberfläche zu lösen sondern die Wurzeln, d.h. die tieferen Ursachen für diese Ereignisse zu erkennen. Diese Krisen können, wie bereits zuvor beschrieben, ein Erwachen zu einer anderen Wirklichkeit führen. Eine Wirklichkeit, die mehr mit meiner Essenz als Mensch und meinem Sein auf dieser Erde zu tun hat.
Mit der Vorstellung des psycho-spirituellen Modells der Psychosynthese wird das Wesen der transpersonalen Psychologie noch deutlicher vermittelt.
Transpersonale Erfahrungen
Erfahrungen auf der transpersonalen Ebene schienen in der Vergangenheit nur den Mystikern vorbehalten gewesen zu sein. Denken, Zeit und Raum werden überschritten. Sie geschahen immer in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Es sind Augenblicke des Glücks, von vollkommener Liebe und innigster Verbundenheit mit Allem, von Freiheit und Losgelöstheit, von tiefer Freude und unbegrenztem Vertrauen.
Diese Augenblicke hat nahezu jeder Mensch schon einmal erfahren. Man braucht sich nur einmal zu erinnern an Ereignisse im Leben, die unvergesslich wurden, an die man sich immer wieder gerne erinnert. Da war vielleicht ein Naturereignis, ein Sonnenauf- oder Untergang, die Begegnung mit einem Menschen, die Erinnerung der Mutter, als sie ihr neu geborenes Kind zum ersten Mal in ihrem Arm hielt. Jede tiefe Erfahrung von Schönheit, bei dem der Verstand ausgeschaltet ist, kann man auch als eine solche transpersonale Erfahrung betrachten.
Diese Erfahrungen kann man nicht machen. Sie geschehen einfach. Sie geschehen in der Stille, wenn der ständige Gedankenfluss zur Ruhe gekommen ist. Ohne Denken gibt es auch keine Zeit, keine Vergangenheit oder Zukunft. Es gibt keine Getrenntheit mehr, so dass es auch kein Ego mehr gibt. Wenn man sich wünscht, dass diese Erfahrungen anhalten, kehrt die Zeit mit den Gedanken an Vergangenheit und Zukunft zurück. Damit ist man wieder zurück im Alltagsbewusstsein.
Diese Erfahrungen vermitteln etwas vom Wesen dieses Neuen Bewusstsein. Wenn auch nur für kurze Zeit offenbart es sich im Menschen. Die Mystiker aller Religionen haben die gleiche Erfahrung gemacht. Sie dauerten bei ihnen nur länger. Wahrscheinlich lebten sie auch überwiegend in diesem Bewusstsein und konnten so ihre Erfahrungen auch anderen Menschen weiter vermitteln.
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Erwachen zur neuen Bewusstseinsebene
Erwachen setzt voraus, dass zuvor eine Art von Schlaf stattgefunden hat. Man spricht von einem Halbschlaf, in dem sich der Mensch im Alltagsbewusstsein befindet. Er ist meistens nicht wirklich anwesend, sondern der ständige Gedankenstrom ist entweder noch mit der Vergangenheit beschäftigt oder bereits mit Vorstellungen und Phantasien bezogen auf die Zukunft. Wie kann nun ein solches Erwachen ausgelöst werden?
Das Erwachen
Wie schon zuvor erklärt wurde, kann man sich nicht einfach entscheiden, ab sofort aus einem anderen Bewusstsein zu leben. Wir wurden in die Menschheit, die auf der rational-mentalen Bewusstseins Ebene existiert, hinein geboren und auch hinein erzogen. Es ist zwar möglich, dass man für eine kurze Zeit transpersonalen Erfahrungen macht, die man dem Neuen Bewusstsein durchaus zu ordnen kann, die jedoch rasch wieder vom Alltagsbewusstsein überdeckt werden. Auf diese Erfahrungen wird später noch ausführlich hingewiesen.
Buddha heißt "der Erwachte". Auch wenn man häufig im Buddhismus und den anderen östlichen Philosophien von Erleuchtung spricht, so ist doch im Grunde genommen damit ein Erwachen gemeint. Es ist ein Erwachen zu einer anderen Wirklichkeit. In dieser Wirklichkeit wird erkannt, dass Trennung, auf dem das dualistische Denken aufgebaut ist, eine Illusion ist. Es wird erfahren, was man schon immer gewesen ist, was aber vom Alltagsbewusstsein überdeckt wurde. Zitat aus dem Yoga-Philosophie-Atlas: „Der Mensch erwacht und erkennt, dass er ursprünglich vielmehr ist, als er zunächst und zumeist zu sein glaubte. Er erkennt dies nicht, indem er in die Welt hinausfährt, nicht in Büchern und nicht einmal in den großen Weisheitslehrern. Er erkennt dies im Erwachen zu den tiefen Ebenen seiner eigenen Existenz.“ (Ende des Zitats)
Erwachen findet von Augenblick zu Augenblick statt. Es geschieht meistens ganz plötzlich. Es ist so etwas, wie plötzlich aus einem Traum zu erwachen und den Zustand des Wachbewusstsein zu erfahren, wie wir es nennen. Die Wahrnehmung konzentriert sich ganz auf das, was ist. Das Denken, das mit dem Empfinden von Zeit gekoppelt ist, tritt ganz in den Hintergrund. Das Gefühl von enger Verbundenheit mit allem, das wörtlich zu nehmende Alleins-sein, ist der Ausdruck dieser anderen Wirklichkeit. Das getrennte Ich- Bewusstsein wird überschritten und ein Selbst erfahren, das sich als Teil eines größeren Ganzen erfährt.
Alleinsein in seiner ursprünglichen Bedeutung scheint mir mit dem Alleins-Sein verbunden zu sein, während Einsamkeit dieses Gefühl von Trennung ausdrückt. Das englische „alone“ scheint die gleiche Bedeutung zu haben. Dem steht „lonely“, einsam gegenüber.
Auslöser des Erwachens
Ein plötzliches Erwachen kann mehrere Auslöser haben. Da ist zunächst diese Sehnsucht nach der Einheit, aus der wir kommen, die wir vor dem Erwachen zum Ich-Bewusstsein erfahren. Diese Sehnsucht ist so etwas wie ein spiritueller Trieb, der genauso existiert wie andere Triebe im Menschen, wie zum Beispiel der Überlebenstrieb oder der Fortpflanzungtrieb. Wie aus dem Buch "Yoga-Philosophie-Atlas" bereits zitiert wurde, kann das Alltagsbewusstsein nur vorübergehend eine innere Zufriedenheit im Menschen erreichen. Sobald Schwierigkeiten oder sogar Krisen im Leben auftreten, wird diese Getrenntheit wieder erfahren, die dann auch wieder zu einer inneren Unzufriedenheit führt. Wirkliches Glücklichsein dauert immer nur wenige Augenblicke.
Generell könnte man zwei wesentliche Bereiche nennen, die dieses Erwachen auslösen können:
1.Die Sehnsucht nach Einheit
Obwohl der Mensch in der äußeren Welt alles, oder fast alles, erreicht haben kann und sehr häufig keine wirklichen Gründe hat, unzufrieden zu sein, bleibt da ein Gefühl, das eine permanente Zufriedenheit unmöglich macht. Dieses Gefühl kann nicht mit dem Verstand erklärt werden. Menschen mit diesen Gefühlen sehen sich sehr häufig als Suchende. Sie sehen sich auf einem spirituellen Weg. Wenn dann plötzlich klar wird, dass der Suchende selbst das Gesuchte ist, kann sich etwas grundsätzlich verändern. Die Identifikation mit etwas nehmen ab.
2. Lebenskrisen
Krankheiten, Probleme in Beziehungen, der Verlust des Arbeitsplatzes, Tod eines lieben Menschen und viele andere tief treffende Erfahrungen können ebenfalls zu einem Erwachen führen. Dann, wenn man glaubt, nicht mehr weiterleben zu können und vielleicht auch nicht zu wollen, kann etwas geschehen, in der diese andere Wirklichkeit erfahren wird.
Widerstände nach dem Erwachen
Bei vielen Menschen löst diese Erfahrung des Erwachens Widerstände aus. Da ist Angst
vor der Leere, d.h. die eigene Identität zu verlieren
vor dem Aufgeben bzw. radikalem Ändern seiner gegenwärtigen Lebensweise
vor Konsequenzen, die nicht überschaubar sind
vor materiellen Konsequenzen
Es entwickeln sich Wert-Mechanismen, wie "Ich will so bleiben, wie ich bin", "Ich brauche keine Veränderungen", "Das, was ich kenne und mir vertraut ist, gibt mir Sicherheit und Stabilität.“
Mögliche Krisen nach dem Erwachen
Es kann eine Konfusion zwischen den verschiedenen Ebenen entstehen. Das Ego kann verstärkt werden, eine Ego-Inflation kann stattfinden. Man glaubt, etwas Besonderes, auserwählt zu sein. Auch sich über andere zu erheben, „abzuheben“,kann die Folge einer solchen Erfahrung sein. Oder man meint, nun die Rolle eines spirituellen Führers spielen zu müssen, der die anderen zu missionieren hat.
Der Prozess nach dem Erwachen
Das Leben nach dem Erwachen muss sich nach der Erfahrung nicht unbedingt gleich verändern. Diesen Menschen kann es so gehen wie bei einem Menschen, der einen Berg hinaufgestiegen ist und einen Gipfel erreicht hat. Er macht eine so genannte Gipfel-Erfahrung, die sehr eindringlich in ihm wirkt. Er kann aber auf diesem Gipfel nicht bleiben, sondern muss wieder zurück ins Tal. Diese Erfahrung kann aber eine so bleibende Wirkung haben, dass er seine Lebensweise verändert.