Ich sehe Cousto's Forderungen absolut berechtigt und sehr wichtig! EIne Art Boykott ist ja nicht genau das, was er sagt, aber es läuft darauf hinaus, dass man sich gegen Repressionen auch anders wehren kann!
Helicocter hat geschrieben:
Was spricht konkret gegen eine Veröffentlichung aller Rohdaten?
Ja das interessiert mich auch, was Conny dazu sagt, wo sie das Problem einer Veröffentlichung sieht.Tissy sagte dazu:Zitat:
Was die Offenlegung der Rohdaten angeht, fände ich es besser, direkt mit den Forschenden Kontakt aufzunehmen und ihnen klar zu begründen, weshalb und wofür DU (und ev. auch andere fachlich qualifizierte Personen) Zugang zu den Daten haben solltet. Aber eine generelle Veröffentlichung der Daten halte ich für gefährlich.
Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Rohdaten nicht veröffentlicht werden sollten. Was ist denn genau der Grund, warum nur fachlich qualifizierte Personen die Zahlen sehen sollten? Man kann solche Zahlen aus sehr unterschiedlichen Gesichtspunkten verstehen und Auswerten, und ich denke NICHT, dass es richtig ist, dass nur EIN spezifisches Fach zugang zu solchen Daten erhalten sollte. Ebenfalls die Auswertung der Daten seitens dieses Fachinstituten sollten meiner Meinung nach öffentlich einsehbar sein für diejenigen, die sich dafür interessieren. Ich habe ein so großes Vertrauen in die Arbeitsweise der Forschung diesbezüglich nicht, und würde mich gern selbst davon überzeugen, nach welchen Kriterien und mit welchen Mitteln eben die Auswertung erfolgt ist. Dazu muss ich nicht zwangsläufig ein Mensch von diesem Fach sein! Das sehe ich hier schon problematisch.
Es ist doch so:
Drogen-User füllen völlig freiwillig diese Befragungen aus, und geben damit ZUGANG zu ihre persönlichen Erfahrungen und Wissen, und ihr persönliches Verhalten. Wenn diese ein Zugang zu den Daten, und zu den Auswertungen haben wollen, finde ich es äußerst unethisch, diesen nicht zu gewährleisten. Es gibt VOR solchen Befragungen ja auch keine Erläuterung, WAS genau mit den Daten geschieht und WO sie dann hinwandern und dass man sich das Ergebnis NICHT aus der Darstellung der Wissenschaftler durchlesen kann (habe ich nicht gefunden...). Ich frage mich, ob es in solche Institute, die diese Befragungen durchführen Ethische Richtlinien dazu gibt?
Ich kann nur von der Ethnologie sprechen, wo es klare Ethische Richtlinien, die jedoch natürlich freiwillig von den jeweiligen Forscher eingehalten werden. Dazu gehörte auch, wenn ein Ifnormant befragt wurde, die Auswertung seiner/der Daten also die Arbeit dazu ihm auch zukommen zu lassen, wenn er dies den will, oder diese eben zur Verfügung zu stellen, ob nun für entgelt (Verlegt als Buch etc..) oder frei. Ich habe das bei meiner einen Forschng so gemacht, und da es nicht so viele Leute waren, die daran bereiligt waren, auch diesen die Ergebnisse geschickt. Da es nur der Erste Teil war, und der Zweite noch in Arbeit ist, ist er noch nicht veröffentlicht, wird es aber werden und für alle erhältlich sein, die Interessa haben, egal wer. Sie wollten SELBST lesen, ob das, was sie erzählten auch so, WIE sie es erzählten verarbeitet wurde, und eben wie die gesamte Auswertung stattfand, nach welchen Gesichtspunkten. ERST DADURCH ist das Vertrauen zu der Forschung überhaupt möglich und kann hergestellt werden.
Erst wenn die Befragten sehen, dass der Umgang mit den Informationen EBEN NICHT in der Forschung selbst einer "Verfälschung" oder ähnliches unterzogen wird, werden sie umso freiwilliger auch das nächste Mal bei solchen Befragungen teilnehmen. Das ist aber eigentlich logisch, dass Wissenschaft, WEIL sie ja eben Unabhängig sein MUSS und SOLL, auch TRANSPARENT sein muss. Das Unterscheidet doch (meiner Meinung nach) Seriösität von Unseriösität, wenn es um freiwillige abgabe von Informationen anderen Menschen und ihr Verhalten angeht. Es ist auch völlig unwichtig, was die Gesetzeslage dazu sagen würde, weil es geht eher um ethische Gesichtspunkte als um Gesetze an diesem Punkt. Es gibt (sobald mir bekannt ist) ja gar kein Gesetz, was die Freigabe oder Veröffentlichung verbietet. Eine Nicht-veröffentlichung macht ja eben die Forschung unseriös, weil die Fehlerquelle (die Interpretative Fehlerquelle, waren ja hier die Medien gemeint/genannt) NICHT genau herausgefunden werden kann, wenn Medien eben Mist bauen...
Ein weitere wichtiger Grund FÜR Veröffentlichung:WARUM sollte denn nur EINE Partei (Ob nun Politische oder Mediale) die Möglichkeit erhalten, diese Ergebnisse FÜR SICH umzudeuten, misszuverstehen, zu Interpretieren, zu eigenen Zwecken zu missbrauchen etc... und alle anderen Parteien (die Informanten oder eben auch Vereine etc..) sollen das nicht haben, diese Möglichkeit? Das sehe ich als eine Ungerechtigkeit.
Das Recht an wissenschaftliche Informationen heranzukommen sollte breiter gefächert sein und zumindest für diejenigen, die daran Teilgenommen haben absolut vorhanden sein. Wir reden ja hier nicht über chemische Herstellungsverfahren von Drogen und deren Anleitungen, sondern um Verhalten von Menschen. Jeder, der sich dafür interessiert und so einen Text verstehen möchte, kann doch wohl die Paar Wörter, die er nicht versteht nachschlagen, und nicht jeder will das überhaupt, aber manche eben doch.
Zitat:
Ist die Forschung daran schuld, wenn sie zu Repressionszwecken "missbraucht" wird?
Ich sage das mal so:
WENN die Forschung keine Transparenz anbietet, dann ist sie das durchaus (mit-schuldig), weil sie sich dadurch NICHT verteidigen kann! Und die Froschung ist auch daran Schuld, wenn sie nicht klar von der Politik oder Medien fordert, dass eben die Dinge so dargestellt werden MÜSSEN, wie sie auch aus der Forschung herrausgehen. Das ist eine Forderung, die gestellt werden muss. Durch solche Forderungen kann ja eben ein Repressionsmissbrauch wenigstens vermindert werden. Nicht die Presse oder Politik sind diejenigen, die unabhängig sind, sondern es ist eigentlich die Forschung (NUR DIESE eigentlich!!!).
HIer 2 Zitate aus dem Thread, wo du noch etwas dazu gesagt hattest (ich will nicht irgendwie überall das selbe tippen...etc...wenn es dir nicht recht ist, kannst du es wegeditieren

):
viewtopic.php?f=59&t=23037&start=25Tissy hat geschrieben:
Wenn ein Forschungsinstitut mit REsultaten an die Öffentlichkeit gelangt, dann kann das auf mehreren Wegen geschehen:
1. Die Institution wird von der Presse direkt angefragt (dies ist besonders dann der Fall, wenn bekannt ist, dass ein Thema untersucht wird).
2. Die Institution verfasst eine Pressemeldung, ein Pressekommuniquée oder gibt allenfalls sogar eine Pressekonferenz, wo die Journis umfassend informiert und mit qualitativ hochstehendem Material ausgstattet werden.
Zitat:
Selbst wenn die Journis mit super tollem Material ausgestattet werden und sich die Insitution ein Gegenlsesrecht ausbedingt: Man ist fast machtlos gegen solche Falsch-Interpretationen von ahnungslosen Journis. Plus - wie schon weiter oben erwähnt: Oft ist es so, dass dann kurz vor Redaktionsschluss noch irgendjemand den Text überarbeitet, der Null Ahnung von der Materie hat. Das ist so! Traurige Realität, erlebe ich aber andauernd...
Für einmal gilt hier: Der Überbringer der Botschaft ist tatsächlich der Übeltäter und euer Zorn sollte sich gegen die Journis richten!!!
Ich mag nicht über die Qualität dieser Umfrage insgesamt urteilen, aber ich unterstelle den Forschenden keine schlechten Absichten. Was am Schluss daraus gemacht wird, ist eine andere Frage.
Es ist etwas zu einfach den Informant aufzufordern, die Politische Lobby und die Medienlobby, sowie die Wissenschafts"lobby" selbst "zu durchschauen", und da sich einzusetzen, wofür eigentlich sich Wissenschats, Politik und Medien selbst einsetzen müssen. Selbst wenn das gemacht werden würde, wäre das wohl kaum ausreichend.
Die Anfertigung solcher Studien obliegt, wie du ja auch geschrieben hast eben der Wissenschaft, und diese kann BEDINGUNGEN stellen. Die Presse kann darum gebeten werden, für die Öffentlichkeit verständliche von wissenschaftlern geschriebenen Zusammenfassungen mit-zu Veröffentlichen. Die Wissenschaft kann sich auch bei der Politik beschweren über solche verfälschende Berichterstattung und um Aufklärung bitten. Ich muss doch als Wissenschaftler den Anspruch haben, dass mein Text auch so verstanden wird, wie ich es gemeint habe, und nicht verfälscht wird! So wie ich das aus den Erläuterungen von Cousto oben verstehe, läuft da etwas falsch. DAS macht diese Forschung eben Unglaubwürdig, und das sollte die Forschung selbst auch nicht zulassen! Informanten haben nicht die Aufgabe für unabhängige Wissenschaft und korrekte Medienberichterstattung zu sorgen! Natürlich sollte es auch ihnen ein Anliegen sein, und natürlich sollten sie sich AUCH dafür einsetzen.
Eine Forderung seitens der Befragten/Informanten wäre ja zum Beispiel sowas: "Wir werden diese Befragung nur weiterleiten/ausfüllen, wenn und das Ergebnis zur Verfügung gestellt wird und öffentlich zugänglich gemacht wird, mindestens für diejenigen, die daran Teilgenommen haben und diejenigen, die diese weitergeleitet haben." Eine Forderung seitens der Forschung wäre zum Beispiel sowas: "Wir werden den Medien die Ergebnisse nur dann weiterleiten, wenn folgender von uns-angefertigter Text/Erklärung unverändert und überall zur Medialen Interpretation mit-veröffentlicht wird...etc..." ... ja nur ein Beispiel, aber wenn eine solche "Eigendarstellung des Forschungsergebnisses" zu jeder Berichterstattung zwangsläufig stattfinden würde, und auch zu den Veröffentlichung der Rohdaten mit dabei wäre, dann kann die Wissenschaft sich zurücklehnen, und hat damit SICH SELBST aus der Gefahrenzone herausgeholt falls veröffentlichte Rohdaten oder ähnliches anders Interpretiert werden. Es ist dann für jeden klar, dass Medien und Politik Probleme verursachen, und nicht die Forscher. Solange aber die Transparenz fehlt, ist dieses gar nicht möglich.
Wenn man keine Forderungen stellt geschieht nichts! Destso weniger Transparenz, destso mehr Zweifel! Und von der Politik, sowie von der Forschung muss das gefordert werden seitens denen, die über Informationen ferfügen, also den Informanten! "WAS bekomme ich, wenn ich eure Fragen beantworte?" (und ich meine damit ja nicht Geld, sondern eben ethische Gerechtigkeit)...quasi... Das ist doch eigentlich ne Selbstverständlichkeit....
Ich selbst sehe Forschung sehr zentral und wichtig, aber wenn sie sich nicht um ihre Transparenz bemüht, und um ihren INFORMANTEN, dann wirds kompliziert, einseitig und Informationen werden weniger und weniger. Selbstdarstellung ist wohl kaum ein Grund, um eine Umfrage auszufüllen!!!
Ich muss noch ergänzen, dass ich es sehr gut und wichtig finde, das hier darüber gesprochen wird
, und dass es diese Möglichkeit gibt ist auch ein Zeichen von Transparenz!!! Wir alle können die Welt ja ändern durch unser Verhalten, und bezüglich der Illegalisierung und politischen Repressionen ist es nun mal zwingend notwendig, sich FÜR mehr Transparenz einzusetzen und Forderungen zu stellen. Darbei kann die Wissenschaft NUR GEWINNEN!!!
Vielen Dank für diese Möglichkeit hier und @Tissy, Cousto und Conny auch für eure Bemühungen bezüglich Aufklärung.
...ja ich weiß....zu lang!!!
Grüsse,
NTP