Hallo
Ich hab da mal ne ausführliche darstellung von Christian Rätsch
Hoffentlich ist das nicht zu viel zu lesen
Mitragyna speciosa Kratom
Familie
Rubiaceae (Rötegewächse)
Formen und Unterarten
Keine
Synonyme
Mitragyna religiosa nom nud.
Mitragyne speciosa (KORTH.) [Falschschreibung]
Volkstümliche Namen
Biak, Biak-Biak, Gra-tom, Katawn, Kraton, Kutum, Mabog, Mambog, Mitragyne
Geschichtliches
Bereits im 19. Jahrhundert wurde berichtet, daß Kratom in Malaysia als Opiumsubstitut und zur Heilung der »Opiumsucht«
verwendet wurde (BECKETT et al. 1965b: 241, TYLER 1966: 285, WRAY 1907a und 1907b). Um 1920 begann die
phytochemische Erforschung der Pflanze (FIELD 1921). Kurz darauf wurde der Hauptwirkstoff pharmakologisch untersucht
(GREWAL 1932a und 1932b).
Verbreitung
Der Baum ist in Thailand sowie von der nördlichen Malaiischen Halbinsel bis Borneo und Neuguinea heimisch (MACMILLAN
1991: 4160.
Anbau
Der Baum wächst in sumpfigen Gebieten. Über die Vermehrung ist nichts bekannt.
Aussehen
Der tropische Baum oder Strauch wird oft nur 3 bis 4 Meter hoch, manchmal aber auch bis zu 12 bis 16 Meter; er hat einen
geraden Stamm mit gegabelten, schräg nach oben stehenden Ästen. Die ovalen, grünen Blätter sind sehr großflächig (8 bis 12 cm
lang), laufen aber spitz zu. Die tiefgelben Blüten stehen in kugelförmigen Gruppen, die langgestielt aus den Blattachseln wachsen.
Die Samen sind geflügelt (EMBODEN 1979: 1840.
Kratom kann leicht mit anderen Arten der Gattung Mitragyna verwechselt werden, z.B. mit Mitragyna brunonis (WALL. ex G.
DON) CRAIB aus Afrika.
Droge
Blätter (Kratom)
Zubereitung und Dosierung
Die getrockneten Blätter werden geraucht, gekaut oder zu dem kratom bzw. niambog genannten Extrakt verarbeitet (WRAY
1907a). Sie werden auch pulverisiert und, mit heißem Wasser aufgebrüht, als Tee getrunken; als Dosis werden 8,8 g genannt
(MACMILLAN 1991: 4161. Eine weitere Zubereitung besteht darin, daß die getrockneten Blätter pulverisiert und in Wasser
gekocht werden, bis ein Sirup entsteht, der gut haltbar ist. Davon gelten 0,38 g als Dosis. Der Sirup kann auch mit den fein
zerhackten Blättern der Palaspalme (Lificuala paliidosn) vermischt und zu Pillen gedreht werden. Dieses Produkt ist in Malaysia
unter dem Namen macht bekannt und wird in langen Bambuspfeifen geraucht (MACMILLAN 1991: 4160.
Die frischen Blätter werden auch zusammen mit Betelnüssen (Areca catechu) gekaut (SCHOLZ und EINER 1983: 75*). Dabei
wird oft Salz zugefügt, um Verstopfung vorzubeugen. Gewöhnlich werden 3- bis 10mal pro Tag jeweils ein Mundvoll Blätter
gekaut (SUWANLERT 1975).
Der Hauptwirkstoff Mitragynin ist offensichtlich gut verträglich und zeigt auch in hohen Dosierungen kaum toxische Effekte. Im
Tierversuch äußerten sich bei Mäusen sogar bei Extremdosierungen von bis zu 920 mg/kg Körpergewicht keine toxischen
Wirkungen (JANSEN und PRAST 1988: 117).
Rituelle Verwendung
Kratom wird in Thailand vor allem als Opiumsubstitut benutzt. Möglicherweise hat sich ein ähnlicher ritueller Gebrauch wie um
das Opiumrauchen (siehe Papaver somniferum) entwickelt. Leider ist dieser Bereich ethnographisch nicht erforscht.
Medizinische Anwendung
Kratom wird in der thailändischen Medizin gegen Durchfall eingesetzt (OTT 1993: 4130. Es wird von den Tuk-Tuk-Fahrern in
Bangkok als Amphetaminersatz konsumiert (SCHULRES 1995: 52*). In Malaysia werden die Blätter als Wurmmittel
volksmedizinisch genutzt (SAID et al. 1991).
In Westafrika wird die verwandte Art Mitragyna stipulosa (DC.) O. KUNTZE volksmedizinisch als Lokalanästhetikum
verwendet. Die Rinde wird mit Palmwein (vgl. auch Cocos nucifera) gegen Vergiftungen und als Diuretikum getrunken
(AYENSU 1978: 222* ).
Inhaltsstoffe
In der Pflanze sind mehrere Indolalkaloide anwesend: Mitragynin, Ajmalicin, Corynanthedin, Isomitraphyllin, Mitraphyllin,
Mitraversin, Paynanthein, Speciogynin, Speciofolin, Speciophyllin, Stipulatin (= Rotundifolin), Rhynchophyllin, Mitragynalin,
Corynantheidinalin, Mitragynalinsäure und Corynantheidinalinsäure (BECKET et al. 1965a und 1965b, HOUGHTON et al. 1991,
TYLER 1966: 286*).
Der Hauptwirkstoff Mitragynin (66% des Gesamtalkaloidgemischs) ist vor allem in den Blättern enthalten. In den jungen Blättern
thailändischer Pflanzen kommt 7a-Hydroxy-7H-Mitragynin (1,6% des Gesamtalkaloidgemischs) vor (PONGLUx et al. 1994). In
den getrockneten Blättern sind insgesamt etwa 0,5% Alkaloide anwesend (BECKETT et al. 1965b: 242). In frischen Blättern
wurde ein neues Indolalkaloid, das 3-Dehydromitragynin, entdeckt (HOUGHTON und SAID 1986).
Mitragynin ist chemisch verwandt mit Psilocybin und anderen Mutterkornalkaloiden (D. Mc KENNA 1995: 102*), z.B.
Alstovenin (vgl. Alstonia scholaris). Mitraphyllin und Isomitraphyllin gehören zum Typ des Yohimbins (PONGLUx et al. 1994).
In den frischen Blättern kommt zudem (-)-Epicatechin vor. In den getrockneten Blättern sind mehrere Flavonoide anwesend. In
beiden, den getrockneten und den frischen Blättern, konnte Ursolsäure nachgewiesen werden (SAID et al. 1991).
In Holz und Rinde ist das Alkaloid Mitraspecin enthalten (BECKETT et al. 1965b).
Einige dieser Alkaloide kommen auch in anderen Arten (z.B. Mitragyna parvifolia) vor (JANSEN und PRAST 1988: 115,
SHELLARD 1974 und 1983).
Wirkung
Die Wirkung von Kratom ist nach Selbstversuchen, den Beschreibungen in der Literatur und den pharmakologischen
Eigenschaften der Wirkstoffe zugleich stimulierend wie Coca (Erythroxylum coca) und dämpfend wie Opium (siehe Papaver
somniferum), also geradezu paradox (PONGLUx et al. 1994). Es hat einen Effekt, als würde man zugleich Coca kauen und Opium
rauchen (JANSEN und PRAST 1988). Beim Kauen der frischen Blätter setzt die stimulierende Wirkung bereits nach 5 bis 10
Minuten ein (SUWANLERT 1975).
Das reine Alkaloid Mitragynin hat folgende Haupteffekte: »a) Steigerung der Erregbarkeit des cranio-sacralen und des
sympathischen Teiles des autonomen Nervensystems, b) Steigerung der Erregbarkeit der Medulla und der motorischen Zentren
des ZNS.« (SCHOLZ und EIGNER 1983: 75*) Es handelt sich also in der Tat um einen paradoxen Wirkstoff (vgl. GREWAL
1932a und 1932b, JANSEN und PRAST 1988). Die Wirkung von Mitragynin wurde sogar mit der des Codeins verglichen
(MACKo et al. 1972).
Die angebliche Kratomsucht soll ein kulturelles Phänomen Thailands darstellen (JANSEN und PRAST 1988: 117).
Marktformen und Vorschriften
In Thailand ist die Pflanze, die zwar nicht »süchtig« macht, aber das Verhalten verändert, verboten worden (D. MCKENNA 1995:
102, SAID et al. 1991, SCHULRES 1995: 52*). Ansonsten liegen keine Vorschriften vor; leider auch keine Marktformen.
viel spaß damit
gruß somniferum